Medien-(EZB-Meinerzhagen):Handys
2. Artikel für Sa. 13.9.2008 zum Thema: Umgang mit den Neuen Medien!
Susanne Bisterfeld, Erziehungsberatungsstelle Meinerzhagen
„Aber die anderen haben doch auch alle eins!“ Spätestens, wenn Kinder in eine weiterführende Schule kommen, hören Eltern, deren Kinder bis dahin noch kein Handy hatten diesen Satz . Verständlich empfinde ich einen solchen Wunsch schon, denn ein Handy heute ist mehr als ein mobiles Telefon: mit ihm kann man Musik hören, Bilder und Filme machen und Spiele spielen.
„Warum nicht“, sagen die einen, andere Eltern sehen überwiegend die Gefahren eines solchen Handys, sei es die Angst vor einer gesundheitsschädigenden Strahlenbelastung oder davor, mit wem ihr Kind Kontakt aufnehmen könnte. Beide Seiten haben ein Stück weit Recht, denn wenn Kinder/ Jugendliche ein Handy haben, sind sie auch immer erreichbar oder können ihrerseits die Eltern erreichen. Das ist oft die beruhigende Seite für Eltern. Die Dinge, die Sie beunruhigen, sollten Sie jedoch auch ernst nehmen und entsprechend darauf reagieren. Die erste Frage, die in diesem Zusammenhang oft gestellt wird, ist die, ab wann ein Kind ein Handy haben sollte und ob man den Gebrauch auch einschränken soll und kann. Als Faustregel gilt da: Für ihr erstes Handy müssen Kinder genügend Verantwortungs- und Kostenbewusstsein haben, eine pädagogische Empfehlung: nicht vor dem neunten Geburtstag. Für jüngere Kinder könnte es in Ausnahmefällen, wenn sie z.B. mit ihren Freunden alleine unterwegs sind, ein „Notfallhandy“ geben. Sinnvoll ist dafür ein spezielles Kinder- Handy, von dem aus nur Nummern angerufen werden können, die vorher festgelegt wurden.
Sind die Kinder dann älter, empfiehlt sich ein Handy mit Prepaid- Karte. Sie erhalten einen festgelegten Betrag zum Telefonieren und können so lernen, sich diesen Betrag einzuteilen, evtl. auch mal auf einen Anruf zu verzichten und lieber eine SMS zu schreiben. Für Kinder ist dies ein gutes Übungsfeld im Umgang mit Kosten und Sie als Eltern schützen sich damit vor unliebsamen Überraschungen. Außerdem könnten Sie durch einen Anruf bei der Hotline Ihres Mobilfunkanbieters kostenpflichtige Nummern (0900) oder den Internetzugang komplett sperren lassen. Aber nicht nur die hohen, manchmal unüberschaubaren Kosten sind eine Gefahr bei unreflektierter Handy- Nutzung.
Viele Eltern machen sich mit Recht große Sorgen über psychische Schädigungen ihrer Kinder, wenn z.B. Gewalt- oder Pornovideos in Umlauf gebracht werden oder wenn ihre Kinder aus Neugier und Unerfahrenheit heraus zu fremden Menschen mit „zwielichtigen Motiven“ Kontakte knüpfen könnten. Hier hilft nur wieder das offene Gespräch, das Sie auf der Basis einer vertrauensvollen Beziehung mit ihrem Kind führen sollten. Machen Sie ihm klar, wie verletzend es für die Betroffenen sein kann , wenn von ihnen Bilder oder Videos weitergegeben werden, die für sie peinlich und unangenehm sind. Opfer ist man aber nicht nur, wenn man selbst gefilmt wird, sondern schon das Anschauen von Gewaltvideos und –bildern kann traumatisierend auf Ihre Kinder wirken. Gehen Sie in dem Gespräch darauf ein und vereinbaren Sie, dass sie sich von diesen so genannten „Späßen und Mutproben“ unbedingt fernhalten sollten. Und informieren Sie Ihre Kinder darüber, dass sowohl der Besitz, als auch die Weitergabe solcher Gewaltvideos strafbar sind. Sprechen Sie mit Ihrem Kind außerdem offen darüber, dass es manchmal Menschen gibt, die sich mit Kindern verabreden und die über SMS ihr Vertrauen gewinnen wollen. Der mir noch aus meiner Kindheit bekannte Satz „Geh nicht mit Fremden mit!“ hat in diesem Zusammenhang eine weiter reichende Bedeutung erhalten. Vereinbaren Sie daher mit Ihrem Kind, dass es nie auf Anrufe oder SMS von unbekannten Nummern antwortet und dass es Sie informiert, wenn es SMS und Anrufe von Unbekannten erhält.
Nun möchte ich zum Schluss noch auf die Gefahren durch Handystrahlungen zu sprechen kommen, die wissenschaftlich noch nicht auszuschließen sind. Daher sollte eine mögliche Belastung so gering wie möglich gehalten werden, indem nur kurz telefoniert wird, das Handy nicht am Körper getragen wird oder die ganze Nacht neben dem Kopfkissen liegt. Da das Thema zu umfangreich ist, als dass ich auf alles ausführlich eingehen könnte, möchte ich Ihnen empfehlen, sich weitere Informationen über die neue Seite zur Medienerziehung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu holen: schau-hin.info
Susanne Bisterfeld