Gründung der GSKi
Bis Ende der 60er Jahre verfügte die Gemeinde Kierspe im Bereich der weiterführenden Schulen nur über eine Hauptschule. Das bedeutete, dass Kiersper Schüler, die weiterführenden Abschlüsse anstrebten, Realschulen und Gymnasien der Nachbarstädte besuchen mussten. Mit dem starken zahlenmäßigen Anwachsen der Einschulungsjahrgänge und dem zunehmenden Streben nach weiterführenden Schulabschlüssen wuchs nicht nur der Schulraumbedarf in Kierspe, sondern nahm auch der Anteil der Kiersper Schüler zu, die auswärtige Schulen besuchen mussten. Dies hatte zur Folge, dass in den Nachbarorten die dortigen Schulprobleme vergrößert wurden und Kiersper Schüler benachteiligt zu werden drohten. Verantwortlichen Kiersper Kommunalpolitikern erschien die Gründung einer Gesamtschule als die zeitgemäße Antwort auf die Bedürfnisse im Bildungsbereich der Sekundarstufen I und II. Am 14.12.1967 beschloss der Rat der Gemeinde Kierspe einstimmig die Einrichtung einer Gesamtschule. Dieser von allen politischen Fraktionen getragene Beschluss fand in den Folgejahren eines sich verschärfenden Schulkampfes zum Teil bundesweite Beachtung und sollte beispielhaft werden als wichtige Voraussetzung für die Gründung von Gesamtschulen im ländlichen Raum. Am 24.7.1968 stimmte der Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen dem Vorhaben zu. Erst einige Zeit später, am 6.2.1969 wurde der Beschluss gefasst, dass die Gesamtschule eine Ganztagsschule wird. Im März 1969 entschieden sich 94,2 % aller Eltern der 4. und 5. Jahrgänge ihre Kinder bei der Gesamtschule anzumelden. Die Gesamtschule war damals eines von mehreren Versuchsprojekten, denn vorher gab es noch keine Gesamtschulen. Die Prinzipien, Ziele und Erwartungen der Gründer der GSKi waren Chancengleichheit, d.h. Bildung sollte nicht länger vom sozialen Status des Elternhauses abhängig sein, sowie eine Individualisierung des Lernens: Nicht alle Schüler sollen den gleichen Stoff bekommen, sondern jeder das Seine durch ein vielfältiges Kursangebot. Übrigens: Im selben Jahr, also 1969, bekam Kierspe die Bezeichnung „Stadt“ verliehen. Etwas später, am 25.8.1969, wurde der Unterricht im fertiggestellten Nordtrakt des ursprünglich als Hauptschule geplanten neuen Schulgebäudes (heute Turm B und C) an der Fritz-Linde-Straße aufgenommen. 360 Schüler des 5. Schuljahres, die aus den 4. Grundschulklassen und den 5. Hauptschulklassen kamen, wurden in zehn Klassen der Gesamtschule von zunächst 16 Lehrern unterrichtet. 1974 wurde erstmals der Hauptschulabschluss an Schüler des 9. Jahrgangs vergeben, weitere Ziele waren weiterführende Abschlüsse an der Gesamtschule, Berufsfachschulen oder eine Lehre. 1975 erstmalige Vergabe der Fachoberschulreife. Über 130 Schüler wählten ihren weiteren Weg in die gymnasiale Oberstufe.
Die ersten Jahre
In den ersten sechs Jahren spielte sich der Schulbetrieb unter manchmal kaum erträglichen Bedingungen im Bereich einer Grossbaustelle ab, und bei allem Engagement eines jungen Lehrerkollegiums konnten die gesteckten Ziele nur teilweise verwirklicht werden. Während die Schüler in ihren Klassen lernten, arbeiteten direkt nebenan die Bauarbeiter, die Baustelle war nur durch eine Abdeckplane vom fertigen Schulgebäude abgetrennt. Zum damaligen Zeitpunkt befanden sich im Bereich des ehemaligen Kindergarten „Kunterbunt“ neben dem Hallenbad sechs barackenartige Pavillons, wo sich ebenfalls Klassenräume befanden. Der Schulhof und die Pausenhalle heißen heute „alter“ Schulhof und „alte“ Pausenhalle. Den unteren Bereich der Schule konnten die Schüler nicht benutzen, denn da war ja die Baustelle. Diese wurden später bis auf ein Gebäude (welches dann der Kindergarten wurde) abgerissen. Im Herbst 1975 wurde der Neubau der Schule (Teil A), welcher auch der Hauptteil der Schule ist, mit einem großen Schulfest eingeweiht. Insgesamt hatte das Schulgebäude bis dahin rund 40 Millionen DM verschlungen.
Schulleiter und SchülerInnen
Unsere Schule hatte insgesamt vier Schulleiter. In der Zeit von 1969 bis 1972 war Georg Schulte-Fischedick Schulleiter an unserer Schule, er wurde dann als Koordinator im Gesamtschulversuch NRW abgeordnet. Seit 1972 war dann Martin Koenen als Schulleiter an der GSKi tätig, bis 1978 nur kommissarisch. Herr Koenen wurde 1992 im Alter von 63 Jahren pensioniert. Seit 1992 bekleidet Fritz Schmid dieses Amt, er war vorher stellvertretender Schulleiter. Mit dem Schuljahr 2006/2007 übernahm die Oberstufenleiterin Monika Hahn die Leitung der Schule.
Am Anfang gab es ca. 360 Schüler und 16 Lehrer. Ab 1970 kamen jährlich ca. 250 Schüler und 12 Lehrer hinzu. 1975 waren es z.B. ca. 90 Lehrer und ungefähr 1570 Schüler. Die höchste Anzahl an Schülern hatte die Schule 1978, in dem Jahr, in dem das erste Abitur vergeben wurde. Etwa 1.820 Schüler wurden von ca. 130 Lehrern unterrichtet. Derzeit werden 1536 SchülerInnen von 110 KollegInnen unterrichtet.
Freizeitbereich
Eine sehr kleine Lehrer- und Schülerbibliothek wurde schon ab Februar 1970 mit Helga Stiefelhagen als Leiterin aufgebaut, anfangs mit einem gestifteten Bestand von nur 100 Büchern. Als der Neubau 1975 in Betrieb genommen wurde, kamen die Bestände der aus der Volksbücherei hervorgegangenen Stadtbibliothek aus der Pestalozzischule hinzu und die vergrößerte Schulbibliothek zog in den Neubau um.
Im oberen Bereich der Bibliothek befindet sich heute die Arbeitsbibliothek, die nur für Schüler zugänglich ist; im unteren Bereich liegt die Stadtbibliothek, in der sich alle Bürger Bücher, Zeitschriften, CDs, etc. ausleihen können.
Die frühere Mensa, die es schon von fast Anfang an gab, war das, was wir heute als die „alte“ Mensa bezeichnen. Sie war zuerst in städtischer, später wechselnd in privater und städtischer Leitung (heute Mensaverein). Da die Mensa nur knapp 80 Schülern gleichzeitig Platz bot, standen die Schüler in jeder Mittagspause immer lange Zeit an, die endlosen Schlangen gingen bis zum Ende der Pausenhalle. Im Mai 1975 wurde dann die „neue“ und heutige Mensa in Betrieb genommen, die 600 Schülern gleichzeitig Platz bietet. Die langen Schlangen vor der alten Mensa gehörten von da an der Vergangenheit an.
Einen Freizeitkeller gab es erst nach der Fertigstellung des Neubaus (Teil A). Zuvor und daneben wurden alle möglichen Ecken in den Türmen B und C, in kleineren Räumen, sowie in Räumen des Mensabereichs genutzt – oft in ziemlicher Enge. Den Altersunterschieden wurde Rechnung getragen durch Räume für einzelne Schulstufen, z.B. 5/6 und Oberstufe.
Projektwoche
Eine Projektwoche gibt es seit 1974 an der GSKi. Seit diesem Jahr findet sie jedes Jahr im Oktober wieder statt. Seit Anfang der 70er absolvieren die 9. Schuljahre jedes Jahr im Oktober ein dreiwöchiges Betriebspraktikum, bei denen sie die Arbeitswelt kennen lernen sollen. AGs gibt es schon seit Anfang an, also seit 1969. Anfangs belegten alle Schüler mindestens eine AG, manche belegten sogar zwei. Aber durch gute Angebote der (Sport-) Vereine und Kirchen, durch die Tatsache, dass ältere Schüler wegen mehr Unterrichtsstunden weniger Interesse an AGs hatten und wegen der Kürzungen von Lehrerstunden im Ganztagsbereich war ein allmählicher Rückgang zu verzeichnen.